
Julian liebt seinen Beruf: »Es ist schön, mit Kindern zu arbeiten«, sagt die Pädagogische Fachkraft, wie Erzieher heute genannt werden. Wenn der 28-Jährige von seinen vielseitigen Aufgaben erzählt, ist klar, dass sich in diesem Beruf enorm viel verändert hat. Einfach nur mit Kindern spielen und mal Streit schlichten? Von wegen. Frühförderung ist ein zentrales Thema in Einrichtungen wie dem Kinderhaus Brühlstraße, einem Vorzeigeobjekt der Stadt Metzingen. Die 90 Kinder sind in vier Gruppen eingeteilt, je zwei Pädagogische Fachkräfte unter Leitung von Carolin Merkle betreuen die Drei- bis Sechsjährigen. Unter ihnen ist Julian Schmid zwar der einzige Mann – ein weiterer ist noch in Ausbildung –, aber das sieht er als Vorteil.
🔹Vorbild und Bezugsperson🔹
»Männliche Rollenvorbilder sind wichtig. Manche Kinder fahren voll drauf ab. Zum einen wachsen einige ohne Väter auf, zum anderen kann man mit mir anders spielen. Bei mir dürfen Jungs auch mal wilder sein.« Mädchen natürlich auch. Julian hat sogar schon Kinder erlebt, die anfangs Angst vor ihm hatten, weil sie im Alltag nur Frauen gewohnt sind.
Eine typische Woche besteht für Julian aus 30 Stunden »Bezugszeit« (BZ), das heißt Arbeit mit den Kindern in der Gruppe, und neun Stunden Vorbereitungszeit (VZ) im Büro. Dann bespricht er z. B. mit seiner Chefin und den anderen im Team, welche Aktivitäten geplant werden, wie welches Kind besser gefördert werden kann oder wie ein sogenanntes Entwicklungsgespräch mit Eltern geführt wird, das mindestens einmal im Jahr stattfindet.
🔹Beobachten und fördern🔹
Mit Beobachtungsbögen, die es für jede Altersstufe gibt, dokumentieren Julian und die andern Pädagogischen Fachkräfte die Entwicklung der Kinder – etwa Wortschatz und Aussprache, die kognitiven Fähigkeiten in Sachen Wahrnehmung, Lernen und Wissen oder das Zahlenverständnis. »Natürlich entwickeln sich Kinder unterschiedlich«, sagt Julian, »die Beobachtungsbögen dienen nur zur Orientierung, damit wir früh den Förderbedarf eines Kindes sehen oder wo es für sein Alter besonders weit ist, welche Fähigkeiten und Neigungen es hat, was die Themen eines Kindes sind.«
Die Kinder zu beobachten ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit. »Unser Ansatz ist immer, dass das Kind im Mittelpunkt steht«, erklärt Julian, »seine Stärken und Schwächen, seine Interessen und Themen, daran knüpft die Förderung an.« Er überlege sich oft bei seiner Arbeit in der Gruppe, was ein Kind gerade braucht, um sich zu entwickeln.
💡 Über diesen Beitrag
Dieser Text zeigt für #REGIOALBJOBS adaptierte Ausschnitte aus einem Artikel von Iris Kreppenhofer (GEA), der erstmals im Februar 2025 im Rahmen einer Sonderveröffentlichung zum Thema „Pädagogische Fachkräfte für Kindergarten und Kita“ erschien.